Wenn Hunde in die
Jahre kommen-
Lebensfreude für unsere Senioren auch im hohen Alter
Fast unmerklich, sehr leise, altert der vierbeinige
Freund an unserer Seite. Stets sind wir gewohnt, ihn in seiner fröhlichen
oder dezenten Art um uns zu haben, mit ihm lange Spaziergänge
zu machen, zu spielen, zu toben, aktiv zu sein mit ihm.
Eines schönen Tages fällt uns
auf, dass unser Freund langsamer wird bzw. geworden ist in seinen
Bewegungen, dass er lange Ruhe- und Schlafpausen benötigt,
dass er das Spielen und Toben den Jüngeren überlässt-
vielleicht haben sich schon Krankheiten oder Verschleißerscheinungen
gezeigt. Wir stellen erschreckt fest, dass er schon 10, 11, 12
Jahre oder älter
geworden ist und haben das Gefühl, dass der Tag, an dem er
zu uns kam, doch noch gar nicht so lange her ist.
Uns wird bewusst, dass die gemeinsame Zeit, die wir mit ihm zusammen verbringen
dürfen, in das letzte Viertel geht. Diese Zeit ist ungemein kostbar,
denn wir haben einen (fast) perfekten Partner an unserer Seite, der uns
wortlos versteht, der jede Situation richtig einzuschätzen weiß und
der einfach immer souverän, oft sehr dezent im Hintergrund, bei uns
ist. Wir haben vielleicht noch andere, jüngere Hunde, die unsere Aufmerksamkeit
im besonderen Maße benötigen - der Alte ist die graue Eminenz
im Rudel.
Nach neuesten wissenschaftlichen Studien unterscheidet man 4 hauptsächliche
altersbedingte Verhaltensänderungen. Die Abkürzung DISH umfasst
folgende Kriterien:
- D esorientierung
- I nteraktionsveränderungen
- S chlafverhaltensänderungen
- H ausverunreinigung
- Desorientierung =
Orientierungsverlust – Verwirrung, Ziellosigkeit, normale Umgebung,
Handlungen und tägliche Routinen werden vergessen bzw. nicht
erkannt.
- Interaktionsveränderungen =
Familienmitglieder werden nicht mehr oder nur mit geminderter Freude
begrüßt, Streicheln wird vermehrt eingefordert und die
Hunde verlangen immer wieder nach Aufmerksamkeit.
- Schlafverhaltensänderungen =
Schlafgewohnheiten und –verhalten ändern sich, nächtliches
Wandern und Unruhe tritt auf.
- Hausverunreinigungen =
der Hund macht nicht mehr wie gewohnt auf sich aufmerksam, wenn er
raus muss und / oder die Kontrolle über den Schließmuskel
von Blase und / oder Darm kann verloren gehen.
Woran erkennen wir, dass unser Hund ein Oldie
ist? Folgende Symptome können auftreten:
- Interesse an Aktivität und Bewegung
lassen nach
- Appetit und Körpergewicht verringern
sich, die Muskulatur bildet sich zurück
- Schlaf- und Ruheverhalten ändern
sich; nächtliches Wandern, veränderter Tag- und Nachtrhythmus
- Durchblutung der Organe, besonders von
Herz und Gehirn, ist reduziert
- Kontrolle über die Muskulatur, besonders über
die Schließmuskel, gehen verloren
- Verschleiß von Gelenken, Muskeln
und allen anderen Organen
- Körperpflege wird vernachlässigt
- Aggressionskontrolle wird abgebaut
Selbstverständlich lassen wir ihm jedwede ärztliche Hilfe zuteil
werden, die er eventuell benötigt. Aber darüber hinaus können
wir noch viel mehr tun, ihm die letzten Jahre so schön wie möglich
zu gestalten.
Vor allen Dingen sollten wir ihn altersbedingt nicht isolieren oder von anderen
Tieren bzw. Menschen abschotten. Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt,
dass Hunde, die in einem festen Rudel, ob mit anderen Tieren zusammen oder
nur mit ihren Menschen, ihren Platz, ihre Aufgaben behalten, im Alter noch
wesentlich agiler sind als Artgenossen, die man aus falsch verstandener Rücksichtnahme
von allen Aktivitäten fernhält. Entsprechend ihrer noch vorhandenen
Beweglichkeit sollte man diese Hunde in den Tagesablauf integrieren, ihnen
immer die Möglichkeit zum Rückzug, zum Ausruhen geben, ohne sie wegzusperren.
Alte Hunde besitzen oft die Unerschütterlichkeit, mitten im Geschehen
eine Siesta zu machen! Lassen wir sie gewähren, wenn sie das möchten
und einfach nur dabei sein wollen.
Bei den Spaziergängen ist darauf zu
achten, dass unser alter Freund entsprechend seiner Konstitution, seiner
Beweglichkeit und unter Berücksichtigung etwaiger Krankheiten
seine Ausläufe hat, vielleicht zwei kurze und einen langen. Dies
hängt
natürlich stark von seiner Fitness ab - es gibt Hundesenioren
von 12 Jahren, die einem 6 – jährigen Jungspund noch was
vormachen. Aber Achtung: gerade Vierbeiner unter den Arbeitsrassen
neigen zur
Selbstüberschätzung und zur Maßlosigkeit, oft auch,
wenn sie mit jüngeren zusammen sind. Hier ist unsere ganze
Beobachtungsgabe gefragt und ein entschlossener Stopp, wenn der Hund sich zuviel
zumutet.
Im Alter können auftreten:
Inkontinenz von Blase und Darm>> Linderung
durch mehrmaliges, kurzes Gassigehen.
Die Liegeplätze kann man mit wasserundurchlässigen Decken ausstatten-
diese gibt es im Sanitärfachhandel oder im gut sortierten Supermarkt.
Auf keinen Fall darf der Hund deswegen gerügt oder bestraft werden- diese
Körperfunktionen kann er nicht mehr steuern. Viele Hunde leiden auch darunter-
man sollte es ihnen nicht noch schwerer machen.
Es gibt heute Medikamente, die bis zu einem gewissen Grad helfen können.
Sollte
unbedingt mit dem Tierarzt abgesprochen werden.
Sehschwäche bis Blindheit>> Der Hund
kann diese Einschränkung gut ausgleichen mittels Nasen- und Ohrenarbeit.
Die Augen sind der ohnehin schwächste Teil der Sinnesorgane - in der Regel
gut zu kompensieren. Selbstverständlich gibt es auch hier medizinische
Spezialisten, die z.B. Netzhäute transplantieren.
Taubheit>> Etwas problematisch,
da man den Hund akustisch nicht mehr erreichen kann.
Sollte deshalb immer an der langen Leine geführt oder im Auge behalten
werden. Pfeifen mit hohen Tönen kann der Hund gut wahrnehmen, falls er
noch nicht ganz taub ist. Taubheit ist eine schleichende Krankheit. Taube Hunde
können sich zwar visuell und rhinogen orientieren, es besteht jedoch immer
die Gefahr, dass sie sich verlaufen. Oft kommt auch noch die Sehschwäche
hinzu - also nie aus den Augen lassen!
Depressionen>> Wie auch beim
alten Menschen, können - müssen nicht - Altersdepressionen
auftreten. Die Spannbreite reicht von der leicht „nörgelnden,
missmutigen“ Haltung, weil Hund nicht mehr alles mitmachen
kann bis hin zur Demenz. Der Hund wird unruhig, verliert komplett
die Orientierung, hat Erkennungsschwierigkeiten, auch seinen Haltern
gegenüber, zieht sich mehr und mehr zurück. Es ist sehr
wichtig, ihn in solchen Situationen nicht alleine zu lassen, ihn
auch weiterhin in den Tagesablauf zu integrieren. Nichts ist schlimmer
und kontraproduktiver für einen alten Hund, als isoliert bzw.
abgeschoben zu werden. Hierfür gibt es ebenfalls entsprechende
Futterergänzungsmittel bzw. Medikamente.
Auch der Verzicht seitens von uns Menschen z.B. auf lange Autofahrten mit dem
Hund, Abgabe in eine Hundepension im Urlaub, viele kleine Aktivitäten
mit ihm verbessern Qualität und Dauer seines Lebens.
Die Tellington-Touch®- Ohr- und Maularbeit hilft dem Hund, Körperzellen
zu regenerieren, ihm Vertrauen und Geborgenheit zu schenken und neuen Lebensmut
zu schöpfen.
Gelenkerkrankungen>> Treten
ab dem 8. Lebensjahr (rasse- und haltungsbedingt) vermehrt auf.
Arthrose, Arthritis, Dysplasien in Ellenbogen und Hüfte, Spondylose,
Cauda Equina, Bandscheibenvorfall, um nur einige zu nennen. Körpersymptome
sind Lahmheit, Schongang, Schmerzen beim Aufstehen/ Hinlegen, verminderte
Aktivität, plötzliches Aufschreien bei kleinen Bewegungen.
Auch hier ist eine tierärztliche Diagnose obligatorisch- nur
wenn man die Krankheitsursache kennt, kann man gezielt helfen.
Neben den erforderlich werdenden Operationen bzw. der Medikation
kann man mit Ergänzungsnahrung unterstützen, wie z.B.
Muschelextrakte, Gelatine- Kräutermischungen. Hilfreich sind
auch homöopathische Mittel sowie Bach-Blüten für
die Seele des Hundes.
Ich unterstütze meine Oldies mit Python- TTouches, Muschelttouches, Körperbandage,
sowie gezieltem Führ- und Ausgleichstraining.
Mindesten zwei Mal im Jahr sollte beim Tierarzt ein Gesundheitscheck mit
komplettem Blutbild gemacht werden. Auch ist zu überlegen, die Impfungen
in größeren Abständen zu platzieren, da diese das Immunsystem
sehr belasten. Heute sind die Hersteller der Impfseren verpflichtet, die Impfintervalle
anzugeben. Statt der jährlichen Impfungen können diese zwischen 2
und 3 Jahren variieren. Aus nachvollziehbaren Interessengründen beraten
einige Tierärzte zu diesem Thema nicht objektiv. Informationen sind abrufbar
unter www.hundezeitung.de und www.haustierimpfung.de
Ältere Hunde benötigen auf Grund
des niedrigeren Stoffwechsels weniger energiereiche Nahrung. Sie sollten
sehr schlank gehalten werden, da jedes Gramm Körpergewicht die
Knochen, das Herz und die Atemwege schmerzhaft belastet. 2-3 maliges
Füttern pro Tag hilft, die Nahrung besser zu verdauen, Nieren,
Blase und Darm zu entlasten.
Ernährung auf Alter und Bewegung
abstimmen; weniger Protein, dafür hochwertige, salzarme Mischkost.
Frischfleisch oder qualitativ hochwertiges Dosenfleisch (keine
Schlachtabfälle), Teigwaren, Reis, Kartoffeln, Gemüse,
Eier, Quark, Hüttenkäse, Yoghurt. So kann der Körper
Defizite ausgleichen und Überschüsse kompensieren.
Informationen zur optimalen Ernährung finden
Sie hier
Ich wünsche all jenen, die bereits eine graue Schnauze in der Familie
haben, eine wunderschöne, erfahrungsreiche und glückliche Zeit damit.
Allen Lesern, die eine solch inspirierende Ära noch vor sich haben, mögen
ein wenig Wissen und Information aus diesem Newsletter entnehmen.
Quellen- und Empfehlungsliteratur:
Carl Gorman: Der alternde Hund, Kynos Verlag
Uta Over: Auch Hunde werden alt, Verlag Müller Rüschlikon
Copyright: Gudrun Zimmermann * Hundeinsel Frankfurt am Main * 2007
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